August 2017: Das Ende der Nachschusspflicht

Ein Paukenschlag erreichte die Forex- und CFD-Branche am 08.05. 2017: Die BaFin, Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht macht erstmalig von ihrer Produktintervention Gebrauch und verbietet die sogenannte „Nachschusspflicht“ bei Forex- und CFD-Brokern.

nachschusspflicht
Im August 2017 eliminiert die BaFin die Nachschusspflicht für CFD-Trader.

Die Nachschusspflicht, so Elisabeth Roegele, hatte in der Vergangenheit dazu geführt, dass der CFD-Kunde ein unkalkulierbares Risiko eingeht, wenn er Differenzkontrakte handelt und weitaus mehr verlieren kann, als er ursprünglich eingezahlt hatte. Prominentester Fall war wahrscheinlich der eines angehenden Forex-Traders, der nach der Auflösung der Mindestquotierung des Schweizer Franken zum Euro durch die SNB im Januar 2015 mit einem Minus von 280.000 Euro vor der Privatinsolvenz stand, obwohl er nur wenige tausend Euro zum Traden eingezahlt hatte. Doch nicht nur dieser junge Mann war an diesem Tag von dem dramatischen Kurseinbruch betroffen, viele Trader aber auch Broker kostete die Entscheidung der SNB die finanzielle Existenz. Die Nachschusspflicht abzuschaffen ist somit ein Schritt in Richtung Verbraucherschutz, was den OTC-Markt betrifft.

Das Ende der Nachschusspflicht: Pro und Contra

Vordergründig betrachtet ist das Ende der Nachschusspflicht aus der Perspektive des (angehenden) Traders erst mal positiv zu bewerten und begrüßenswert. Denn in der Regel, sprich im alltäglichen Handel, kommt die Nachschusspflicht nicht einmal zur Anwendung, da fast alle Broker mittlerweile intelligente Trade-Out-Systeme installiert haben, die offene Positionen rechtzeitig schließen, wenn diese nicht mehr ausreichend durch die hinterlegte Margin gedeckt sind. In der Fachsprache wird dieses Level „Margin Call“ genannt, da in den Anfängen des Börsenhandels der Broker den Kunden tatsächlich per Telefon anrief, um diesem mitzuteilen, dass er möglichst schnell Geld nachschießen sollte, weil seine Positionen weit im Minus sind und andernfalls automatisch geschlossen werden. In der heutigen Zeit ruft niemand mehr an, die Equity-Zeile im Broker-Konto färbt sich einfach rot und die offenen Positionen werden automatisch liquidiert. Im täglichen Handel kommt die Nachschusspflicht somit so gut wie nie zur Anwendung, da offene Positionen schnell genug liquidiert werden, bevor ein negatives Saldo eintreten kann. Allerdings gibt es keine Regel ohne Ausnahme und wenn man von der Nachschusspflicht betroffen ist, erfolgt dies meist durch ein sogenanntes Black-Swan-Event und ist damit besonders gravierend für den Trader. Mit dem Ende der Nachschusspflicht gehen auch einige Konsequenzen einher, über die wir einmal nachdenken wollen.

(1) Zocken statt Traden

Im Gegensatz zu vorher geht nun also das Individualrisiko des Traders auf den Broker und damit alle Kunden des Brokers über. Das heißt, die Selbstverantwortlichkeit für das eigene Handeln ist jetzt nicht mehr gegeben. Dies kann unter Umständen zum „Zocken“ verleiten und dazu führen, dass die eigene Profitabilität noch länger auf sich warten lässt oder niemals eintritt, da einfach immer wieder Geld nachgeschossen wird, wenn das Konto mal wieder „geplättet“ wurde. Auf diese Art und Weise entwickelt man keinen nachhaltig profitablen Handelsstil.

(2) Broker muss die Zeche zahlen

Einer muss am Ende die Zeche zahlen, und ab August wird es definitiv der Broker sein. Wenn der Kunde gegenüber dem Liquiditätsprovider nicht mehr haftbar gemacht werden kann, muss dafür der Broker bluten. Nun könnte man meinen, es trifft keinen Armen. Alle etablierten Broker tun ab jetzt jedoch gut daran, sich einen Notfallfonds aufzulegen, denn was passiert, wenn es einen größeren Teil der Kunden durch ein Black Swan-Event erwischt, bei dem für mehrere Minuten oder gar Stunden gar keine Kurse mehr gestellt werden, bis der Markt letztendlich irgendwo im Nirvana wieder eröffnet? Mit großer Wahrscheinlichkeit ist dann davon auszugehen, dass der Broker in die Insolvenz gehen muss und dass jeder Kunde, auch diejenigen, die vorher nicht im betroffenen Wert investiert waren, auf die staatliche Einlagensicherung hoffen müssen. Ob und wie diese tatsächlich greift – wir wollen es doch alle lieber nicht wirklich ausprobieren.

(3) Margin-Erhöhungen und höhere Gebühren

Summa Summarum wird die Nachschusspflicht Folgen für alle OTC-Trader haben. Die Broker sollten und werden ab jetzt versuchen, ihr gesteigertes Risiko mit einer Gebührenerhöhung und höheren Margin-Anforderungen, vor allem vor dem Wochenende oder vor bedeutenden politischen Events, abzufedern. Nicht auszuschließen ist jedoch auch, dass es Broker gibt, die keinen Notfall-Fonds auflegen und im Fall der Fälle einfach die Hand heben, um bei der nächsten Gelegenheit unter neuem Namen aus der Versenkung wieder aufzutauchen.

(4) Futures weiterhin unter Nachschusspflicht

Mit Futures unterliegt der Trader weiterhin der Nachschusspflicht, da die Forderung ja nicht zwischen Broker und Trader entsteht sondern zwischen Trader und Trader. Futures werden nicht von Banken oder Brokern emittiert und können dadurch natürlich auch nicht in ihrer Kursstellung vom Emittenten manipuliert werden. Der Future gilt daher gemeinhin als fairstes Handelsinstrument.

(5) Knock-Out-Produkte

Von Banken emittierte Knock-Out-Produkte unterliegen keiner Nachschusspflicht. Im schlechtesten Fall verfällt einfach die investierte Summe wertlos.

Sarah Brylewski: Abschaffung der Nachschusspflicht ist eine große Chance

Sarah Brylewski von ayondo markets hat sich positiv zur Abschaffung der Nachschusspflicht bei CFDs geäußert. Sie sieht in der neuen Regelung eine Chance für den gesamten CFD-Markt.

Fazit

Aus Sicht des (angehenden) Traders ist das Ende der Nachschusspflicht sicherlich vordergründig erst mal positiv zu bewerten. Gerade Trading-Anfänger geraten durch die enormen Hebelmöglichkeiten in ihrem Übermut häufig in gefährliche Situationen, die sie im Falle von Übernacht-Gaps oder „Fat-Finger-Events“ eine Stange Geld kosten können, weil sie schlichtweg das System noch gar nicht verstanden haben. Durch das Ende der Nachschusspflicht bleibt es bei einem finanziellen Warnschuss – denn immerhin ist dann trotzdem noch die gesamte geleistete Einlage futsch. Auf der anderen Seite bleibt zu hoffen, dass das Ende der Nachschusspflicht nicht die Masse der Trader zum „Zocken“ verleitet, indem vor entscheidenden Events einfach eine größtmögliche Position mit der geringstmöglichen Margin eröffnet wird, um im „Glücksfall“ von dem Kursgewinn zu profitieren. Denn wenn eine ausreichend große Masse von Kunden so verfahren würde, wäre das Kollektiv aller Broker-Kunden am Ende der Dumme, nämlich dann, wenn der Broker in die Insolvenz gehen muss. Broker sollten jetzt angehalten sein, sich in den verbleibenden Monaten ausreichende Sicherheitsmaßahmen, wie einen Notfall-Fonds aufzulegen und bestimmte Risikosituationen rechnerisch durchzuspielen. Dann könnte am Ende die Nachschusspflicht für alle Beteiligten zum Erfolgsmodell werden.

 

 

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