Wahlen in Großbritannien: Theresa May vs Jeremy Corbyn

Am heutigen Donnerstag, den 08.06.2017 wählen die Briten ein neues Parlament. Forex-Trader sind daher gut beraten damit, ihre Positionen unter Kontrolle zu halten und können nach Veröffentlichung der ersten Umfragen mit erhöhter Volatilität rechnen. Was hat Europa von May oder Corbyn zu erwarten?

May-Corbyn-wahlen
Heute wählen die Briten ein neues Parlament: Doch der Vorsprung der amtierenden Tories unter Theresa May ist empfindlich zusammengeschrumpft.

Von der einstigen „überzeugten Europäerin“ zur „eisernen Lady„, die einen harten Brexit forciert: Theresa May hatte die Wahlen angesetzt, um sich die Rückendeckung der Bevölkerung für ihren harten Brexit-Kurs und die Verhandlungen mit der EU zu holen. Doch nach einem Erdrutschsieg sieht es derzeit nicht gerade aus, ihr Widersacher Jeremy Corbyn von der Labour Partei ist ihr dicht auf den Fersen. Erst vor kurzem wurde Großritannien von islamistischen Anschlägen überzogen. Auch wenn Theresa May, die erst seit kurzer Zeit im Amt ist dafür nicht die Schuld in die Schuhe geschoben werden kann, eine Regierungspartei steht in einer solchen Situation immer etwas in der Defensive. Nach den neuesten Befragungen von Kantar Public liegen die regierenden Tories mit 5 Prozentpunkten nur noch knapp vor Corbyns Arbeiterpartei, bei dem Meinungsforschungsinstitut YouGov sind es 7 Prozent.

Die Wahllokale sind geöffnet

Seit 07:00 Uhr Ortszeit (08:00 MEZ) sind die Wahllokale geöffnet, um 23:00 MEZ werden sie schließen. Am Freitagmorgen können wir mit dem Ergebnis rechnen. Insgesamt dürfen heute 47 Millionen Briten ihre Stimmen abgeben. Der einst saftige Vorsprung der regierenden Tories ist in letzter Zeit beträchtlich zusammengschmolzen. Sollte sich Theresa Mays Idee für Neuwahlen zu einem Eigentor entwickeln?

Jeremy Corbyn, der Linke EU-Kritiker

Anders als in vielen anderen europäischen Ländern ist der Kandidat der Sozialisten, Jeremy Corbyn, kein bedingungsloser Freund der EU. Im Gegenteil, mit seiner EU-kritischen Haltung steht er der einstigen EU-Befürworterin Theresa May recht nahe und klaut ihr damit derzeit auch wichtige Stimmen. Denn in der EU kracht es an allen Ecken und Enden. Die Armen fühlen sich abgehängt, während die Reichen mehr und mehr Vermögen anhäufen. Dabei ist der Linksaußen-Kandidat der Labour-Partei selbst in den eigenen Reihen nicht unumstritten. Corbyn ist Links, Pazifist und vehementer Kapitalismuskritiker. Eine Mischung, die in der derzeitigen Lage verfängt wie wenn man einen Kanister Benzin ins offene Feuer kippt. Nachdem Tony Blair von 1997 bis 2007 in SPD-Manier die soziale Absicherung in Großbritannien stark einschränkte, viele staatliche Dienstleistungen privatisierte und zu guter Letzt auch noch mit den Amerikanern in den Irakkrieg zog, steht mit Corbyn der krasse Gegenentwurf einer Linksaußen-Ideologie  jetzt an der Startlinie. Jeremy Corbys primäre Ziele sind demnach:

  • Einkommensteuer für reiche Erhöhen
  • Öffentliche Verkehrsmittel und Energieversorgung verstaatlichen
  • Studiengebühren abschaffen
  • Die Altenpflege finanziell unterstützen und
  • 10.000 neue Polizisten einstellen.

 Das Programm verfängt bei der Unterschicht

Corbyns sozialistische Vision verfängt vor allem bei der von der Thatcher-Politik vernachlässigten Unterschicht und löste eine Eintrittswelle in die Labour-Partei um 100.000 Bürger aus. Den Machtkampf in der eigenen Partei hat er bereits für sich entschieden. Nun tritt er gegen seine konservative Kontrahentin an, die sich eigentlich nur in ihrem harten Brexit-Kurs vom Volk bestätigen lassen wollte.

Corbyns Haltung zum Brexit

Wichtigstes Thema derzeit – neben der Bekämpfung des Terrorismus ist zweifelsohne das Thema „Brexit“. Was würde ein Sieg des Linksaußen-Politikers für die Verhandlungen mit der EU bedeuten? Mays Versuche, Corbyn als „politisch unerfahren“ und „zu extrem“ hinzustellen, scheinen bisher nicht wirklich gefruchtet zu haben. Dabei würde sich an der Tatsache, dass Großbritannien aus der EU austritt, nichts ändern. Das Volk hat entschieden. Allerdings würde sich etwas an den Verhandlungen ändern: Theresa May ist in Brüssel bekannt, der Außenseiter Corbyn nicht. Anstelle eines „harten Brexits“ könnte Brüssel von seiner Seite zwar mehr Zugeständnisse erwarten, aber auch mehr Unsicherheit. Der Labour-Chef ist in seiner Partei als Rebell bekannt und weicht selten von einer Meinung ab, die er einmal gefasst hat. Für die EU wäre Corbyn wohl der einfachere Kandidat, da er ein Verhandlungsergebnis „um jeden Preis“ will, während Theresa May den Deal schon das ein  oder andere Mal platzen lassen wollte. Ein erneutes Referendum, also quasi ein Brexit aus dem Brexit, um alles wieder zurechtzubiegen hat Corbyn kategorisch ausgeschlossen. Auch er will sich dem Willen des Volkes beugen. Für die britischen EU-Freunde ist er somit wohl mehr eine Enttäuschung als eine echte Alternative zu May, zumindest was die EU-Politik betrifft. Problematisch für Brüssel ist jedoch, dass er weiterhin einen Zugang zum europäischen Binnenmarkt behalten möchte. Diese Rosinenpickerei hat Brüssel eigentlich ausgeschlossen um anderen zu zeigen: „Seht her wie hart der Brexit ist, die Briten gehen schon auf dem Zahnfleisch, also reißt euch am Riemen!“ Die EU-Unterhändler bevorzugen also eher einen Austritt der Briten aus dem gemeinsamen Wirtschaftsraum. Während Theresa May eine härtere Linie für EU-Ausländer durchsetzen will, fährt Corbyn hier in Sozialisten-Manier die sanfte Linie. Dafür will er britischen Bürgern auch alle EU-Rechte erhalten, die außerhalb Großbritanniens in Ländern der EU leben.

Auswirkungen auf dem Devisenmarkt

Nach der letzten TV-Debatte zwischen May und Corbyn konnte das Pfund gegenüber dem Euro leicht zulegen. Forex-Trader rechnen also weiterhin mit einem Sieg der Konservativen, während ein Sieg des Labour-Kandidaten den Sterling schwächen würde.

EURGBP mit Trendbruch in Short-Richtung.
Der Euro gab zuletzt gegen das Britische Pfund leicht nach. Forex-Trader rechnen mit einem Sieg der Konservativen Partei unter Theresa May.

Doch die Stimmung ist mehr als nervös, aufgrund des zusammengeschrumpften Vorsprungs der Tories. Laut Umfragen konnte jedoch keiner der beiden die Debatte eindeutig für sich verbuchen. Während Theresa May in Punkto „Brexit“ am besten abschnitt, war Corbyn in sozialen Fragen etwas besser bewertet. In Bezug auf die kürzlichen Terroranschläge musste Corbyn Federn lassen, da seine tolerante Position gegenüber extremistischen islamistischen Organisationen nicht gerade für Sympathie sorgte. Theresa May wird auch hier eine härtere Gangart gegenüber dem Terror zugetraut.

Fazit

Ob Corbyn oder May – Brexit bleibt Brexit. Die Auswirkungen dieser Wahl dürften mehr oder weniger innenpolitischer Natur sein. Die Verhandlungen mit der EU dürften unter Corbyn etwas harmonischer ablaufen, während die neue „Eiserne Lady“ gegen die EU ins Feld zieht, um knallhart für ihre Bürger das Beste aus dem Deal rauszuholen.

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