Foto-Love-Story: Ein typischer Trading-Vormittag im DAX

Der DAX hat sich im Laufe der Jahre zu meinem liebsten Handelsinstrument entwickelt. Ja, manchmal ist er zickig wie eine Frau. Doch genau wie mit den Frauen ist es auch mit dem DAX: Man kann nicht mit ihnen, aber auch nicht ohne sie. So habe ich mich im Laufe der Zeit an die Marotten des DAX gewöhnt und möchte in der folgenden Foto-Love-Story erläutern, wie man es schaffen kann, den DAX erfolgreich zu traden anhand eines konkreten Beispiels am heutigen (10.12.2015) Vormittag.

Den DAX erfolgreich traden heißt nicht, dass man immer nur Gewinne mit dem DAX macht. Den DAX erfolgreich zu traden, bedeutet vor allem folgende zwei Dinge:

  • sich in die anderen (größeren) Marktteilnehmer hereinzuversetzen und ihre Handlungen zu antizpieren: Wann müssen diese kaufen/verkaufen?
  • sich in gefährlichen Situationen sofort von seiner Position trennen wenn man merkt, dass man falsch liegt.

Von vielen Anfängern aber auch manchen Profis wird der DAX als schwierig, zickig und unberechenbar betitelt. Doch bei genauerer Betrachtung ist genau das Gegenteil der Fall. Wer sich gründlich mit diesem Index beschäftigt, kann ihn im Laufe der Zeit immer besser lesen und verstehen lernen, auch wenn er unsinnige Einstiege gnadenlos und sofort bestraft. Richtig ist auch, dass der DAX häufig und volatil seine Richtung wechselt. Doch hier entstehen auch die großen Chancen. Während man auf dem Devisenmarkt versuchen kann, die langen Trends zu reiten, bietet der DAX mit seinen Intraday-Trendwechseln große Chancen auf schnelle Punkte. Ein weiterer Vorteil des DAX-Handels: Der Einsatz der Marktteilnehmer ist im Gegensatz zum Devisenmarkt zeitlich begrenzt. Trendwechsel erfolgen also häufig unmittelbar vor oder nach der Mittagspause oder aber am Abend nach Xetra-Schluss. DAX-Engagements lassen sich somit zu diesen Zeiten mit sehr guten CR-Verhältnissen eingehen. Doch kommen wir zum heutigen Trading-Vormittag im DAX, der um 13:12 Uhr mit einem Plus von 82 Punkten sein Ende fand.

Foto-Love-Story: DAX-Trading mit kleinem Konto

Im Rahmen eines kleinen Projektes Trading mit kleinem Konto bei Sensus Capital Markets entschloss ich mich heute dazu, meine Trading-Session einmal fotografisch aufzuzeichnen und so zu dokumentieren. Als ich an den Rechner kam und begann meinen DAX zu betrachten, stellte ich Folgendes fest: Über Nacht und im vorbörslichen Handel hatten wir den großen Trendkanal auf dem M15-Chart zunächst verlassen und dann peu à peu zurückerobert. Zu Beginn des Xetra-Handels startete der DAX dynamisch in Long-Richtung nach oben durch, nur um kurz darauf von besagter Trendkanal-Linie wieder abzuprallen. Der Fall war klar: Ich musste heute versuchen, die Welle in Long-Richtung mitzureiten, der DAX will nach oben raus! Aber wo einsteigen? Um diese Frage zu klären, zog ich zweit Fibonacci-Retracements: Eines ausgehend vom gestrigen Tagestief  und das andere vom heutigen Tagestief ausgehend. Warum 2 Retracements? Um eine möglichst hohe Wahrscheinlichkeit für einen Abpraller zu bekommen, muss ich die Gedanken möglichst vieler Marktteilnehmer in meine eigenen Trading-Überlegungen einbinden und antizipieren: Fibonacci-Retracements funktionieren, aber nur weil so viele Menschen sie ebenfalls benutzen. Während die einen Händler also ihre Fibos am gestrigen Tagestief platziert hatten, nutzten die anderen das heutige Tagestief. Indem ich beide Fibos anlegte und mit dem aktuellen Tageshoch verband, ergab sich eine schöne Cluster-Zone aus 23.6er, 50er- und 61.8er-Retracement, was mir die möglichen Stop-Level für meinen Trade aufzeigte. Irgendwo dazwischen sollte der DAX drehen wie mir das Kursmuster zeigte. Ich löste die Order am 50er-Retracement manuell aus und platzierte meinen Stop unter das 61.8er Retracement. Was folgte, war der typische Nervenkrieg, den man im DAX oftmals zu erwarten hat. Markttechniker würden sagen: Ich suchte den Einstieg aus der Korrektur am Punkt 3 im Minuntenchart.

DAX-Long
Mithilfe der Fibonacci-Level bestimmte ich meinen Einstieg in Long-Richtung. Dieser erfolgte am markttechnischen Punkt 3.

Auf dem M15-Chart sieht man noch einmal genauer den übergeordneten Trendkanal, den der DAX an diesem Vormittag in Angriff nehmen sollte. Die langen Lunten der M15-Kerzen nach unten zeigten mir, dass wir es mit einem starken Aufwärtsdruck zu tun haben und die Marktteilnehmer den DAX nach oben raushauen wollten.

DAX-M15-Long
Der Trendkanal auf M15 sollte heute dran glauben. Doch der Kampf um die abwärts verlaufende Trendlinie war nicht einfach.

Der DAX startete sogleich in meine Richtung durch, was mir die Möglichkeit gab, einen meiner beiden Kontrakte abzuverkaufen, um bereits einen Teilgewinn zu realisieren und Risiko aus der Situation zu nehmen. Denn an ein Nachziehen des Stop war noch nicht zu denken. Im Trading läuft es in den seltensten Fällen wie aus dem Bilderbuch. Daher muss man als Trader flexibel sein und ständig improvisieren. Denn anstatt in Long-Richtung durchzuziehen und ein Level nach dem anderen abzuräumen, wie man es nun als Trendfolger erwarten könnte, besuchte der DAX immer wieder mein Einstiegsniveau bei 10.558 Punkten und war drauf und dran, mich auszustoppen. Nur ein Punkt trennte mich teilweise davon Break Even aus dem Markt zu fliegen, doch nachdem der Kurs erstmal so weit in den Gewinn gelaufen war, war ich nicht mehr bereit, aus diesem Trade noch einen Verlust werden zu lassen. Mit mehr Konktrakten hätte ich zu diesem Zeitpunkt schon weitaus mehr Gewinn rausholen können. Der Aufwärtsdruck war an den Kerzen deutlich zu erkennen und so wurde mir klar, dass er irgendwann nach oben hin explodieren würde, sobald die ganzen Short-Orders der anderen Marktteilnehmer abgearbeitet waren.

DAX-Long
Anstatt wie gewünscht in Long-Richtung durchzuziehen, eierte der DAX minutenlang rund um meinen Einstieg herum und drohte damit, mich auszustoppen. In solchen Fällen heißt es die Nerven zu bewahren und an seiner Strategie festzuhalten.

Wie kann man psychisch mit einer solchen Situation umgehen? In solchen Situationen muss man ganz ruhig bleiben und sich sagen, dass man sich dann eben in Ruhe einen neuen Einstieg suchen wird. Hätte der DAX mich an dieser Stelle ausgestoppt, wäre ich sicher gewesen, ihn dafür spätestens in Short-Richtung noch am selben Tag zu bekommen. Dann endlich startete der DAX seinen finalen Angriff: Dynamisch brach er den aufwärts verlaufenden Trendkanal auf M5 und setzte zum Angriff auf das bisherige Tageshoch an. Meinen Stop an dieser Stelle nachzuziehen hielt ich für unnötig, da ich nur noch einen Kontrakt im Feuer hatte und die Volatilität mich jederzeit aus dem Markt werfen würde. Mein Mindest-Ziel für diesen Trade war also klar: Das aktuelle Tageshoch sollte über Top oder Flop entscheiden.

GER30M1-Long
Endlich: Der langersehnte Aufbruch zum Tageshoch!

Dann der große Befreiiungsschlag: Das Tageshoch war erreicht. Was würden andere Marktteilnehmer an dieser Stelle machen? Nun, die Antwort fällt nicht schwer: Erstmal ihre Konkrate abladen. Nichts anderes würde ich auch an dieser Stelle machen. Ein langer Docht auf dem M1-Chart zeigte mir an, dass es auf der Marke von 10.610 Punkten gefährlich werden könnte für meinen Long-Trade. Was also tun – einfach glattstellen und damit die Chance auf den Durchbruch versäumen? Ich entschied mich anders und zog den Stop so eng wie möglich an den aktuellen Kurs heran, genauer gesagt unter den Close der letzten Kerze auf M1. Erst sah es so aus, als würde der DAX es tatsächlich im ersten Anlauf durch diesen mächtigen Widerstand schaffen … doch dann – plop mein Trade war ausgestoppt. Rund 40 Punkte waren also im Kasten. Doch der Trading-Vormittag im DAX war noch nicht vorbei, schließlich wartet auf jeden Long-Ausbruch im DAX auch wieder ein Short.

GER30M1-Last
Um meine aufgelaufenen 40 Punkte nicht mehr zu riskieren zog ich den Stop ganz eng an das letzte Tief der Minutenkerze heran. Der 50:50-Joker wurde gezogen und Peng … ich wurde sodann ausgestoppt.

Von Long auf Short

Wie bereits in mehreren meiner Video-Tutorials und Live-Trading-Videos erläutert, hält es der DAX nur in den seltensten Fällen den ganzen Tag durch, in eine Trendrichtung zu laufen. Mindestens ein Trendwechsel am Tag steht also meistens im Raum. Also wartete ich nun auf entsprechende Trendwendesignale, um den DAX in Counter-Richtung wegzushorten. Das macht Spaß! Zumal sich der DAX eher mühevoll nach oben gequält hatte, erwartete ich zumindest noch eine dynamische Abwärtsbewegung in Richtung des übergeordneten Short-Trends. Ein erster Versuch, eine sich anbahnende 3er-Bestätigung zu nutzen schlug leider fehl und kostete mich 12 Punkte. Zwar prallte der DAX kurzfristig beim dritten Mal  von dem Widerstandslevel bei 10.622 Punkten ab, ließ mir aber nicht genügend Spielraum den Stop auf Break Even zu ziehen und kostete mich somit 12 Punkte.

GER30M1-3er
Die 3er-Bestätigung funktionierte dieses Mal nicht richtig. Da ich nur einen Kontrakt hatte, blieb nicht ausreichend Platz um den Stop nachzuziehen oder durch Teilverkäufe Gewinn zu machen. Dies kostete mich letzlich rund 12 Punkte.

Da ich hier aggressiv gegen den Trend vorging, konnte ich im Rahmen dieses Projektes mit einem sehr kleinen Konto nicht mehr als einen Kontrakt wählen, andernfalls hätte ich durch Teilverkäufe bis zum Ausstoppen mit Sicherheit etwas besser abgeschnitten. Mit den Ausstopper sagte mir der DAX: Hey Junge, ich habe noch nicht fertig! Also hieß es für mich: Abwarten und mich mit etwas anderem beschäftigen, bis mir der DAX die passende Formation hinzaubert, um endlich Short zu gehen. Es war nur eine Frage der Zeit bis mir klar wurde: Sollte der DAX jetzt unerwartet die Nackenlinie des Doppel-Tops auf M1 brechen, würden einige Marktteilnehmer die Long positioniert waren in ernsthafte Schwierigkeiten kommen und auf die Short-Seite wechseln müssen. Jedoch stand die Frage im Raum: Würde der DAX nicht noch einmal nach oben laufen, um ein Doppel-Top auf M5 auszubilden und das alte Hoch noch einmal anzulaufen? Um diese Frage zu klären, zog ich sauber und akkurat meine Trendlinien auf dem M1-Chart ein – und siehe da: Es ergab sich eine bedeutende Clusterzone aus der Aufwärts- und der abwärts verlaufenden Trendlinie, die mir für einen Short Trade dienen könnte. Sicherlich war die Gefahr gegeben, dass wir dieses Level durchbrechen, um ein double Top auf M5 auszubilden, für diesen Fall jedoch platzierte ich meinen Stop knapp über der Nackenlinie bei 10.628 Punkten. Noch waren wir im intakten Aufwärtstrend doch eines war mir jetzt schon klar: Sollte der DAX hier nicht nach oben durchziehen sondern anfangen zu schwächeln und nach unten wegrutschen, bekommen einige große Marktteilnehmer kalte Füße und dann würde es sehr schnell gehen. Im Blick hatte ich dabei vor allem die nächste Nackenlinie auf der Marke von 10.612 Punkten, mit deren Unterschreiten der Aufwärtstrend auf M1 endgültig gebrochen sein würde, was einen starken Abverkauf im DAX zur Folge hätte. Nach der ersten roten Kerze auf M1 platzierte ich also am Kreuzwiderstand meine Short-Order, Stop knapp über dem Einstiegsniveau und über der Nackenlinie. Nun war mir eines Klar: Sollte der DAX die Nackenlinie bei 10.612 Punkten nicht halten können, brauchte ich mich nur zurücklehnen und die Punkte einsammeln. Sollte er von dieser abprallen und mich ausstoppen, wäre ein Double Top auf M5 fällig gewesen.

GER30M1-Short-1
Der Kreuzwiderstand bot sich als möglicher Einstieg in Short-Richtung an.Nach der ersten roten Kerze drückte ich auf den Sell-Button.

Doch der DAX enttäuschte mich nicht. Schon an der aufwärts verlaufenden Trendlinie auf M1 konnte man förmlich die Schweißtropfen jener Trader sehen, die noch immer Long im Markt investiert waren. Mit einem Bruch dieses Level MUSSTEN sie auf die Short-Seite wechseln, um nicht gegrillt zu werden – während ich mit meinem Short längst im Markt war. Nach ein paar verzweifelten Kerzen kam es wie es kommen musste: Der DAX schmierte mit brachialer Macht nach unten durch und ich musste mir noch mein Take-Profit-Level überlegen.

GER30M1-Short-2
Drei …
GER30M1-Short-3
… Zwei ….
GER30M1-Short-4
… Eins …
GER30M1-Short-Last
… Meins.

Da ich im Rahmen dieses Projektes DAX-Trading mit kleinem Konto nur noch einen Kontrakt zur Verfügung hatte, musste ich mit einem Take Profit arbeiten, was ich normalerweise nicht gerne tue, sondern den Markt bestimmen lassen, wie weit der letzte Kontrakt laufen darf. Ein Nachziehen des Stops erschien mir in dieser Situation obsolet, da in diesem Sell-Off-Bereich sowieso keine großen Adressen reinkaufen würden, sondern nur ein paar kleine Retail-Opfer, die verzweifelt versuchen, in solchen Zonen ins fallende Messer zu kaufen und bei diesem Versuch gegrillt werden, wozu ich in meinen Anfangsphasen übrigens selbst gehörte. Der Fall des DAX war somit also glasklar, nur bis wohin musste ich mir jetzt überlegen. Das nächste sinnvolle Level um meine Gewinne mitzunehmen war also das 38.2er-Retracement der gesamten Aufwärtsbewegung des aktuellen Tages, welches bei ungefähr 10.572 Punkten verlief. Eigentlich hatte ich sogar einen weiteren Kursrutsch erwartet, wollte jedoch auf Nummer sicher gehen und meine round about 40 Punkte nicht noch einmal riskieren oder gar komplett abgeben. Letzten Endes erreichte der DAX meinen Take Profit, drehte exakt an dieser Stelle wieder nach oben und hinterließ mir einen Gewinn von 82 Punkten.

Fazit

Der heutige Trading-Vormittag ist gut gelaufen, fast konnte ich die gesamte Handelsspanne Long und Short mitnehmen und wurde nur 2 x mit kleinem Verlust ausgestoppt. Statt einer Video-Dokumentation entschied ich mich heute dazu, die einzelnen Schritte einmal aufzunehmen und dann ausführlich meine Gedanken dabei zu beschreiben. Die Erfahrung zeigt es, dass man den DAX profitabel handeln kann, sofern man sich sehr diszipliniert an seine Verlustgrenzen hält, seine Chartlinien und Fibo-Level sauber einzeichnet, um die eigenen Stop-Level sauber zu definieren. Um den DAX erfolgreich zu handeln sollte man sich stets in die anderen Marktteilnehmer hineinversetzen, um zu erahnen, wo sie ihre Positionen drehen müssen, um keine übermäßigen Verluste zu erleiden. Wer die drei Phasen Akkumulationöffentliche Beteiligung und Distribution eines Marktes erkennt und beachtet, kann schon so vorab bestimmen, an welchen Stellen mit hoher Wahrscheinlichkeit Bewegung in den Markt kommen wird.

Die Charts, Kurse und Software wurden bereitgestellt von dem pfeilschnellen DMA-Broker Sensus Capital Markets.

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