Fundamentale Analyse

fundamentale Analyse

Bei der Fundamentalen Analyse betrachtet der Trader - im Gegensatz zur Technischen Analyse - die Einflussfaktoren, die auf die Entwicklung der Wechselkurse Auswirkungen haben. Dabei betrachtet man in erster Linie ökonomische Faktoren, aber auch bestimmte politische Ereignisse oder Ankündigungen der Zentralbanken werden bei der Prognose berücksichtigt. Der Nachteil der Fundamentalen Analyse: Meist konzentriert sich der Trader auf nur eine Einflussgröße, was zu Fehlentscheidungen und letztendlich zu Fehltrades führen kann. Generell sollte man als Trader ganzheitlich denken und handeln und die Veröffentlichung von Wirtschaftsdaten umfassend beobachten. Geht man davon aus, dass diese Wirtschaftsdaten positiv für den entsprechenden Währungsraum zu werten sind, dann kann man mit einer Aufwertung der Währung rechnen. Allerdings setzt sich die Entwicklung einer Währung aus vielen verschiedenen Faktoren zusammen, die man als einzelner nur schwer überblicken kann. Als Nicht-Wirtschafts-Experte ist es oftmals gar nicht so einfach, die verschiedenen Zusammenhänge zu erkennen und aus den veröffentlichten Wirtschaftsdaten Rückschlüsse auf die Devisenentwicklung zu schließen. Obgleich es Trader gibt, die rein fundamental traden, bevorzugen vor allem viele Einsteiger lieber die Technische Analyse, da man hier auch mit wenig Ahnung von wirtschaftspolitischen Zusammenhängen erfolgreich traden kann. Alle Forex Broker bieten auf ihrer Startseite oder in speziell dafür eingerichteten Bereichen aufbereitete Wirtschaftsdaten, die man als Trader in seine Strategie mit einfließen lassen sollte. Der erste Blick des Tages sollte auch bei einem technisch orientierten Trader stets auf den Wirtschaftskalender gehen, um zumindest die Zeiten auszuklammern, in denen er nicht traden sollte.

Vor dem Trade

Das wichtigste an einem Trade: Die Vorbereitung. Nachdem der Trader erfolgreich an seinem Wert, den er handeln möchte, die möglichen Ein- und Ausstiegspunkte mithilfe der Technischen Analyse bestimmt hat, muss er sich eine Frage stellen: Fließt das Geld

Diese Frage ist für sein weiteres Handeln essentiell, denn einerseits kann er von Korrelationen zwischen den einzelnen Anlagegruppen profitieren, andererseits kann er es vermeiden in einem Wert ausgestoppt zu werden, weil er sich gegen den Kapitalfluss positioniert hat. Viele Trader sparen den Montag als Handelstag aus, weil sich hier meist erst am Ende des Tages entscheidet, ob das Geld die Woche über ins Risiko oder aus dem Risiko fließt. Daher sind Montage oft von erratischen Bewegungen und unberechenbaren Kurssprüngen geprägt.

Korrelationen und Geldfluss

Bevor der Trader eine Position eröffnet, muss er sich einen Überblick über den gesamten Kapitalmarkt verschaffen. Selbst wenn er nur den DAX oder den Euro handeln will reicht es bei weitem nicht aus, sich nur die letzten 20 Kerzen auf dem 5-Min. Chart anzusehen! Der Trader muss vor allem eine Frage eindeutig beantworten können: Fließt das Geld ins Risiko oder aus dem Risiko? Um diese Frage möglichst präzise beantworten zu können, muss er vor allem folgende Werte und Charts im Blick haben, egal welchen Wert er traden möchte:

Ins Risiko - aus dem Risiko

Das Geld fließt an den Märkten meistens in eine Anlagegruppe: Ins Risiko oder aus dem Risiko. Als Trader sollte man sich diese Korrelationen zu Nutze machen. So ist es beispielsweise wenig empfehlenswert im Euro in einer Zeiteinheit Long zu gehen und im DAX auf derselben Zeiteinheit Short. Eine der beiden Positionen wird so über kurz oder lang in den Verlust laufen. Eher bietet es sich dagegen an, beispielsweise im Gold Short zu gehen und im Dollar Long, wenn die Investoren nach Sicherheit suchen. Klassische "Sicherheitswährungen" sind der US-Dollar, der Japanische Yen und der Schweizer Franken. Gold tritt nur dann als "Sicherer Hafen" bei Investoren wieder in den Vordergrund, wenn die USA aufgrund ihrer Schuldenprobleme mit dem Rücken zu Wand stehen. Ansonsten wird Gold wie jeder andere Rohstoff behandelt und fällt in Krisensituationen.

Geldfluss und Korrelationen
Das Kapital fließt meist zusammen in eine der beiden Gruppen: Risiko oder Flucht. Als Trader sollte man diese Eigenschaft für sich nutzen und sich entsprechend positionieren.

Kaufkraftparität

Mithilfe der Kaufkraftparität führen Wirtschaftsexperten am einfachsten Rückschlüsse auf die Devisenentwicklung zurück. Folgt man dieser Theorie, dann gleicht sich der Kurs von zwei Währungen so an, dass der Preis eines Korbes an Gütern in beiden Währungsräumen gleich ist. Das bedeutet also, dass man mit dem gleichen Geldbetrag, egal um welche Währung es sich handelt, die gleichen Güter in beiden Währungsräumen kaufen kann. Somit ist die Kaufkraft der beiden Devisen beim Gleichgewichtswechselkurs identisch. Besteht allerdings eine zu große Abweichung zwischen der Realität und diesem Gleichgewichts-Modell, besteht die Möglichkeit der Arbitrage, sodass der Kurs über kurz oder lang wieder zu seinem Gleichgewicht zurückfindet. Arbitrage bedeutet, dass man den Preisunterschied bei gleichen Gütern ausnutzt. Man hat zum Beispiel die Möglichkeit der Arbitrage, wenn ein paar Schuhe in den USA günstiger sind als in Europa. Folgt man dieser Theorie der Kaufkraftparität, dann sollten die Schuhe in beiden Ländern gleich viel kosten (natürlich in die entsprechende Währung umgerechnet). Trifft dies nicht zu, handelt es sich um Arbitrage. Als Endverbraucher würde man in dem Land kaufen, das den günstigeren Preis anbietet und die Schuhe in dem Land verkaufen, in dem sie teurer sind. Das Ganze würde so lange laufen, bis sich die Preise aufgrund von Angebot und Nachfrage in beiden Ländern angepasst haben.

Zinsparität

Was bedeutet die Zinsparität? Zinsparität heißt, dass sich der Wechselkurs entsprechend der Zinsdifferenz zwischen zwei Währungsräumen entwickelt. Hierbei wird davon ausgegangen, dass der Anleger nicht von verschieden hohen Zinsen in zwei Währungsräumen profitieren kann. Der Zinsvorteil wird hingegen von einem Währungsraum von einer gegensätzlichen Bewegung des Wechselkurses ausgeglichen. Es folgt ein Beispiel um die Theorie der Zinsparität anschaulich darzustellen:

Beispiel Der Kurs zwischen GBP und USD liegt bei 1,56. Nun bekommt man in Großbritannien fünf Prozent Zinsen für ein Jahr, während man in den USA nur drei Prozent erhält. So könnte ein Anleger in den Vereinigten Staaten 2.000 USD zu einem Zinssatz von drei Prozent aufnehmen, das geliehene Geld in GBP umtauschen (2.000 / 1,56 = 1.282 Pfund) und diese im Anschluss zu fünf Prozent anlegen. Nach einem Jahr wäre der Betrag auf 1.346 Pfund angewachsen, während seine Schuld in den USA sich nur auf 2.060 Dollar beläuft. Angenommen, der Wechselkurs beträgt weiterhin 1,56, wären seine 1.346 Pfund nun 2.099 USD wert und der Anleger könnte einen Gewinn von 39 Dollar verbuchen.

Bei der Zinsparitätstheorie geht man nun davon aus, dass sich der Wechselkurs so angleicht, dass die 1.346 Pfund genau den 2.060 Dollar (Schulden in den USA) entsprechen. Gemäß dieser Theorie wird das Britische Pfund also abgewertet im Vergleich zum USD und ist somit nicht mehr so viel Wert als noch ein Jahr vorher. Andernfalls könnte ja ein Anleger von der Differenz profitieren. Die Quintessenz dieser Theorie: Von der Zinsdifferenz zweier verschiedener Währungen kann ein Investor nicht profitieren.

Allerdings hat dieses Modell mit der Realität nur wenig gemeinsam, oftmals trifft auch das exakte Gegenteil zu. Anstelle einer Abwertung der Währung, die höher verzinst wurde, tritt häufig eine Aufwertung ein, weil Anleger die hohen Zinsen der Währung gelockt werden und diese stärker kaufen. Da die Nachfrage der hochverzinsten Währung größer ist und viel von niedrig verzinsten Währung auf dem Markt liegt, kommt es letzten Endes zu einer Aufwertung. Dieser Handel - also die Aufnahme eines Kredits in einer niedrig verzinsten Währung und die Anlage des Geldes in einer höher verzinsten Währung heißt auch "Carry Trade" und wird vor allem von Hedge-Fonds gerne genutzt.

Was hat das Ganze nun mit dem Devisenhandel zu tun? Die Zinsentwicklungen haben einen enorm großen Einfluss auf den Devisenmarkt führen nicht selten zu kräftigen Schwankungen. Viele Notenbanken richten sich bei der Festlegung ihrer Leitzinsen nach den Inflationsdaten weswegen es sich empfiehlt, immer auch die Teuerungsrate im Blick zu haben. Während wichtiger Leitzins-Entscheidungen sollte man nicht handeln und laufende Trades vorher eng mit dem Stop absichern oder ganz liquidieren.

Ökonomische Kennzahlen

Weder das eine noch das andere weiter oben präsentierte Modell kann eine eindeutige Vorhersage der Wechselkurse bewirken. Nichtsdestotrotz sollte man sich mit diesen Modellen auseinandersetzen, da man durch sie das Funktionieren und die Zusammenhänge am Währungsmarkt besser versteht. Vielversprechender ist allerdings der Rückgriff auf ökonomische Kennzahlen. Die wirtschaftliche Situation eines Landes hat enormen Einfluss auf den Wechselkurs der jeweiligen Währung. Es werden regelmäßig Konjunkturindikatoren veröffentlicht, mit deren Hilfe man die wirtschaftliche Lage eines Währungsraumes tiefgreifend bewerten kann.

Einflussfaktoren

Der Wechselkurs eines Währungsraumes wird von zahlreichen Einflüssen beeinflusst. Als (erfolgreicher) Trader sollte man diese Kennzahlen stets im Auge behalten. Es gibt einige wichtige Konjukturindikatoren, die im Folgenden kurz vorgestellt werden, um dem Trader einen kleinen Überblick zu gewähren. Bei den Indikatioren unterscheidet man vorauslaufende, Präsenz-. und nachlaufende Indikatoren. Die vorauslaufenden Indikatoren laufen, wie der Name schon sagt, der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung voraus. Präsenzindikatoren hingegen spiegeln die derzeitige Situation wider und nachlaufende Indikatoren präsentieren das Ergebnis einer bereits stattgefundenen wirtschaftlichen Entwicklung. Der Trader könnte meinen, dass letzteres vielleicht irrelevant ist, weil wir im Devisenhandel schließlich auf die zukünftige Entwicklung einer Währung spekulieren. Dennoch lassen auch nachlaufende Indikatoren wertvolle Schlüsse auf die Zukunft zu:

BIP Das BIP gibt Auskunft über die Wirtschaftsleistung eines Landes. Für den Devisenhandel: Ein höheres BIP, das auf die Steigerung von Exporten zurückgeht, wirkt sich auf die jeweilige Währung positiv aus, während die Zunahme an Lagerbeständen sich negativ auf den Wechselkurs auswirkt.
Industrieproduktion Vorläufer des BIP.
Umsätze im Einzelhandel Dieser Indikator gibt Auskunft über das Konsumverhalten von Privatpersonen.
Handelsbilanz Beschreibt die Im- und Exporte eines Landes. Da Deutschland stark exportabhängig ist, ist die Veröffentlichung der Handelsbilanz ein äußerst wichtiges Ereignis für den Devisenhandel und den Euro.
Netto-Kapitalimporte Dieser Indikator gibt an, wie viel Geld in das Land kommt. Vor allem für die USA ist dieser Wert von Bedeutung.
Lagerbestände Dieser Indikator wird monatlich veröffentlicht und gibt Auskunft über die Lagerbestände (siehe BIP) der Handelsunternehmen.
Langlebige Wirtschaftsgüter Gegenwert der Bestellungen von langlebigen Verbauchsgütern. Kann als Indikator für das künftige gesamtwirtschaftliche Produktionsniveau genommen werden.
Auftragseingänge Sie lassen Rückschlüsse auf das Auftragsvolumen der Industrie zu.
Housing Starts Hieraus lassen sich die Anträge für Neubauten von Einfamilienhäusern entnehmen.
Konsumentenpreisindex Richtschnur für die Preisentwicklung von Kunsumgütern - also die Inflation. Sollte stark beachtet werden, da dieser Indikator unter anderem Grundlage der Notenbanken für ihre Zinsentscheidungen ist.
Produzentenpreisindex Preise auf Produktionsebene, daher kann er als Vorstufe vom Konsumentenpreisindex angesehen werden.
EZB-Rat Primäres Gremium der amerikanischen Notenbank. Hier wird der Leitzins der USA (FED FUNDS RATE) festgelegt. Für den Euro-Raum ist das der EZB-Rat.
Employment Cost Index Bietet eingeschränkt Rückschlüsse auf Inflation, da man mit einem höheren Gedalt mehr konsumieren kann, was wiederum für ein Ansteigen der Inflation verantwortlich ist.
Arbeitsmarktdaten Große Auswirkungen auf die Märkte. Achtung bei der Interpretation dieser Daten - sie schwanken oftmals saisonal bedingt (Erntezeit, Bauzeit etc.)
Consumer Confidence Index Umfragen über das Konsumverhalten, wird jeden Monat veröffentlicht. Lässt Rückschlüsse auf das Kaufverhalten privater Konsumenten zu und erlaubt Prognosen für künftiges Kaufverhalten.
Einkaufsmanagerindex Monatliche Umfrage unter Einkaufsmanagern. GIbt ein gutes Indiz für die Entwicklung des nationalen Index wider.
ifo-Geschäftsklimaindex Frühindikator für die deutsche Entwicklung der Konjunktur. Hiermit lassen sich sehr gut Prognosen herleiten, daher findet er am Finanzmarkt starke Beachtung
ZEW-Konjunkturerwartungen Auch dieser Indikator erscheint monatlich. Volkswirte und Teilnehmer am Finanzmarkt werden zu ihrer Erwartung bezüglich der Konjunktur im kommenden halben Jahr befragt.

Nun haben wir hier eine Menge an Indikatoren, die wir bei unserem Devisenhandel im Auge behalten sollen. Doch ist das wirklich notwendig? Im Jahr 1999 hat das "National Bureau of Economic Research" eine Studie veröffentlicht, in der die für die Preisschwankungen am wichtigsten geltenden Faktoren zur Sprache kamen. Das waren in erster Linie

Allerdings sollte man die Zahlen, die veröffentlicht werden, immer in Relation zur herrschenden Meinung am Markt sehen. Erwarten beispielsweise die meisten Marktteilnehmer einen Anstieg der Arbeitslosigkeit von 12 Prozent, ist der Markt bereits auf diesen Wert vorbereitet. Werden nun tatsächlich die 12 Prozent Arbeitslosenquote veröffentlicht, ist die Auswirkung auf den Finanzmarkt nur gering. Wird hingegen eine weitaus niedrigere Arbeitslosenquote veröffentlicht, kann dies eine Aufwertung der Währung nach sich führen. Aus diesem Grunde sollte man veröffentlichte Zahlen stets in Relation zu den Markterwartungen auswerten.

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