Der Hebel wird unter den Devisen-Tradern kontrovers diskutiert. Für die einen ist er Segen, für die anderen ein Fluch. Bei richtiger Anwendung kann er jedoch ein adäquates Mittel sein, das Meiste aus seinen Trades rauszuholen. Einigen Händlern ist dieser Begriff vielleicht aus dem Derivatehandel bekannt. Anfängern sei empfohlen, ihr Trades nicht gleich zu "überhebeln", auch wenn ein Hebel von 1:400 oder 1:500 auf den ersten Blick verlockend scheint. Ein Totalverlust ist mit dieser Einstellung so gut wie sicher.
Im Gegensatz zum Aktienhandel wird, sobald der Terminkontrakt eingegangen wird, noch keine Zahlung fällig. Noch nicht. Um aber sicherzustellen, dass der Trader der Verpflichtung aus dem Vertragsverhältnis des Futures auch nachkommen kann, hinterlegt er eine geringe Sicherheitsleistung. Das heißt, es muss nicht die gesamte Summe vom Trader aufgebracht werden, sondern nur ein geringer Teil davon. Falls die Position während des Handelns unter die geleistete Sicherheitsleistung fällt, wird sie automatisch vom Broker geschlossen. Der berühmte Margin Call ist dann erreicht. Früher, als noch mehr per Telefon als per Internet gehandelt wurde, kam in diesem Moment ein Anruf vom Broker mit der Bitte um Nachschuss, da sonst das Konto geschlossen und sämtliche Positionen aufgelöst werden.So wird sichergestellt, dass sich der Trader nicht verschuldet und keine Nachschusspflichten entstehen. Der Trader kann also nie ins Minus geraten, das Risiko ist damit auf die Ersteinzahlung begrenzt.
Dieses System wird auch im privaten Devisenhandel angewendet, um die finanzielle Integrität des Traders nicht zu gefährden. Um als privater Händler am Forex-Handel teilzunehmen, muss man also nicht den gesamten Betrag der gehandelten Summe auf das Konto des Brokers überweisen. Es reicht daher aus, einen Bruchteil davon (die vom Broker geforderte Sicherheitsleistung oder Ersteinlage) auf dem Konto zu haben. Allerdings fällt die geforderte Einlage beim Forex-Handel im Vergleich zum Handel mit Futures und Optionen meist deutlich geringer aus. Aus diesem Grund ist der Devisenhandel mittlerweile auch bei Kleinanlegern so beliebt. Der Vorteil dabei ist, dass der Verlust auf die Ersteinlage (zumeist zwischen 25 und 1000 Dollar oder Euro) beschränkt ist, während man gleichzeitig schier unendliche Gewinnchancen hat. Falls der Kurs einmal unter die Summe fällt, die durch die Mindesteinlage abgedeckt ist, schließt der Broker sogleich den Handel. Erfahrene Trader wissen allerdings, dass man mit höheren Summen einsteigen sollte, um den Gewinn zu maximieren, zumindest sofern man vom Traden leben möchte. Denn immer ist es notwenig, auch mal einen längeren Draw Down zu überstehen was nur dann geht, wenn das Konto ausreichend mit Kapital gedeckt ist. Mit ausreichend Kapital sprechen wir für den Start einer ernsthaft ambitionierten Trader-Karriere von einem Minimum ab 1000 Euro, besser noch 2000 Euro. In allen anderen Fällen, in denen das Konto mit wenigen hundert Euro unterkapitalisiert ist, wird man meist zu früh vom StopLoss aus dem Trade gehauen und macht kontinuierlich Verluste.Daher sollte man als Anfänger lieber ein paar Monate sparen und dann gleich mit 1000 Euro einsteigen, anstatt 10 mal 100 Euro unnötig zu verbrennen.
Viele Forex-Broker verlangen eine Sicherheitsleistung zwischen ein bis vier Prozent der gehandelten Summe. Für ein Standard-Lot ( bestehend aus 100.000 Einheiten) beträgt die Margin also 1.000 bis 4.000 Einheiten der Basiswährung. Für ein sogenanntes Mini-Lot, das einige Broker im Angebot haben und das häufig von Anfängern wahrgenommen wird, (10.000 Einheiten der Basiswährung) beträgt sie lediglich 100 bis 400 Einheiten. Um Positionen über das Wochenende zu halten, verlangen einige Broker eine höhere Margin, da zu diesem Zeitpunkt nur geringe Liquidität im Devisenmarkt vorhanden ist und somit ein höheres Risiko besteht.
Um als privater Trader am Devisenmarkt 100.000 Einheiten einer Währung zu bewegen, braucht man bei einer Margin von einem Prozent (meist als 1:100 angegeben) somit lediglich einen Kontostand von zumindest 1.000 Einheiten der Basiswährung. Dieser Betrag wird zur Kontoeröffnung per Überweisung oder Paypal von Trader auf das Konto des Brokers überwiesen. Dieser Effekt wird dann als Hebeleffekt bezeichnet.
Mit nur 1.000 Euro auf dem Konto lassen sich also in diesem Beispiel 100.000 Euro im Devisenmarkt bewegen, also das Hundertfache (!) der tatsächlich hinterlegten Summe!
Die Hebelwirkung, in der Fachsprache auch Leverage-Effekt oder Hebeleffekt genannt, zeigt sich am besten anhand eines kleinen Beispiels: Angenommen, ein Trader hinterlegt nur die minimale Einlage (ein Prozent) von der gehandelten Summe. Handelt er mit einem Standard-Lot (100.000 Einheiten der Basiswährung, bei einem Trade im EUR/USD somit 100.000 Euro), benötigt er somit nur einen Kontostand von 1.000 Euro. Diese 1.000 Euro werden nun ständig mit den Gewinnen und Verlusten aus der 100.000 Euro-Position verrechnet.
Je nach Wechselkurs reicht somit häufig bereits eine Bewegung von einem Prozent im Wechselkurs, um das Konto zu verdoppeln - oder auch um es gänzlich zu vernichten. Daher sollte man nur mit Geld spekulieren, das man wirklich übrig hat. Allerdings würde der Broker in diesem Fall vorher eingreifen - in der Praxisl wird die Position automatisch glattgesteltt, sobald der aktuelle Kontostand unter Berücksichtigung der offenen Gewinne und Verluste unter die Sicherheitsleistung fällt. Um den Totalverlust zu vermeiden, sollte man unbedingt einen StopLoss setzen, der die Position schließt, wenn der Trade nicht in die gewünschte Richtung läuft. Alternativ kann man die Position hedgen, also einen Trade in Gegenrichtung eröffnen. Mit dieser Strategie kann man seine Margin erhöhen und gleichzeitig Gewinn mit der Gegenbewegung machen. Natürlich muss man die gehedgte Position rechtzeitig wieder schließen, sobald der Trade wieder in die gewünschte Richtung läuft.
Sicherheit und Hebel/Leverage hängen also unmittelbar zusammen. Viele Anfänger im den Devisenhandel lassen sich leider von den hohen Gewinnaussichten durch eine hohe Hebelwirkung locken, die bei voller Ausschöpfung des Hebels in Aussicht stehen. Ist auf dem Konto tatsächlich nur die minimale Sicherheitsleistung oder wenig mehr vorhanden, bestehen in der Tat hohe prozentuale Gewinnmöglichkeiten, wie eben anschaulich dargestellt. Das Gleiche gilt allerdings auch für das Risiko, ein schneller Totalverlust ist nicht ausgeschlossen. Andererseits macht der Hebel den Forex-Handel für viele auch interessant, da so selbst "der kleine Mann" mit einer relativ niedrigen Einlage in kurzer Zeit ein erhebliches Vermögen erwirtschaften kann.