Positionen über Nacht halten – ja oder nein?

Kaum eine Sache wird unter Tradern so kontrovers diskutiert wie das Thema „Übernachtpositionen“. Während die einen bekennende Langzeit-Trader sind und eher auf großen Timeframes agieren, wo man die Positionen dann durchaus mal mehrere Wochen oder Monate halten kann, bekommen die anderen alleine schon bei dem Gedanken daran Angstschweiß auf der Stirn. Dabei ist das gesamte Thema etwas komplexer zu betrachten und nicht so einfach mit Ja oder Nein zu beantworten. Darum dreht sich um diese beliebte Zuschauerfrage jetzt auch das aktuelle Video-Tutorial von devisen-handeln.org und FXPRIMUS: Übernachtpositionen halten oder nicht?

Bei der Frage nach Übernachtpositionen kommt es zunächst einmal auf drei Dinge an:

  • Welche Assets möchte ich traden bzw. welche trade ich am Liebsten?
  • Bietet mein Broker einen garantierten Stop?
  • Bin ich bereit, meine Positionsgröße auf das Halten von Übernachtpositionen anzupassen?

Die Gefahr von Gaps

Vor allem auf dem Aktienmarkt sind Kurslücken, sogenannte Gaps, die über Nacht oder über das Wochenende auftreten, an der Tagesordnung. Die Gründe dafür sind offensichtlich: Während sich der Gesamtmarkt durch den Futures-Handel noch eine Weile weiterbewegt bzw. teilweise sogar durchgehandelt wird, handeln Einzelaktien nur von 9:00h – 17:30h bzw. von 15:30h – 22:00h MEZ, um nur mal die wichtigsten beiden Börsenplätze ins Auge zu fassen. Es ist folglich nur normal, dass Einzelaktien oftmals mit großen Gaps öffnen. Auch bei den großen Indizes kann es aus demselben Grund zu Gaps kommen, die jedoch aufgrund des durchlaufenden Derivate-Handels meist etwas kleiner ausfallen. Zu gar keinen oder nur äußerst seltenen Gaps kommt es hingegen auf dem Devisenmarkt, da dieser Handel ohne Unterbrechung 24 Stunden durchläuft. Gaps treten hier wenn dann meistens eher zu den normalen Handelszeiten auf, z. B. wenn es eine Ankündigung der Fed oder der EZB kommt oder andere wichtige Notenbankpolitische Entscheidungen anstehen. Daher ist es wenig verwunderlich, wenn vor allem Aktientrader oftmals öffentlich verkünden, dass sie keine Positionen über Nacht halten, was von diesem Standpunkt aus durchaus nachvollziehbar ist. Die grobe Reihenfolge für das Halten von Übernachtpositionen kann also folgendermaßen aussehen:

  1. Devisen (keine Probleme)
  2. Indizes (kleine bis größere Gaps möglich)
  3. Einzelaktien (große Gaps möglich)

Swap/Rollover

Ein weiterer Punkt der beim Halten von Übernachtpositionen ins Auge gefasst werden muss, sind die Finanzierungsgebühren, auch als Swap bzw. Rollover bezeichnet. Denn je nach Asset das man hält, bekommt man entweder über Nacht Geld auf dem Handelskonto gutgeschrieben (positiver Rollover) oder abgezogen (negativer Rollover). Dabei gilt die Grundregel, dass man Rollover-Gebühren gutgeschrieben bekommt, wenn man eine hochverzinste Währung, wie den AUD oder den NZD über Nacht Long hält. Und das ist doch eine feine Sache, wenn man sich allein dadurch schon den Stop finanziert und der Trade somit risikolos wird, dass man eine Währung Long oder Short hält. Dies bezeichnet man im Fachjargon als Carrytrades.

Carrytrades

Carrytrader machen sich im täglichen Handel die Zinsdifferenzen der verschiedenen Währungspaare zu Nutze und profitieren so zusätzlich von positiven Rollover-Gebühren. Um die jeweiligen Swap-Rates des eigenen  Brokers zu erfahren, muss man sich auf der jeweiligen Webseite danach erkundigen. Für den Broker FXPRIMUS haben wir im Folgenden die lukrativsten Carrytrades zusammengetragen. Bei all diesen Trades erhält man allein durch das Halten der Position pro Nacht für jedes offene Standard-Lot einen positiven Saldo auf seinem Konto gutgeschrieben.  Wer Mini-Lots tradet, muss den Betrag natürlich mal 0.1 nehmen. Stand ist der 29.11. 2013, da sich die Swap Rates im Laufe der Zeit durch Maßnahmen der Notenbanken der jeweiligen Länder natürlich auch ändern können.

Long

  • AUD/USD (3,9 USD)
  • NZD/USD (3,6 USD)
  • GBP/JPY (1,25 USD)
  • AUD/JPY (5,4 USD)
  • NZD/JPY (4,5 USD)
  • CAD/JPY (2,1 USD)
  • GBP/CHF (1,25 USD)
  • AUD/CAD (2,5 USD)
  • AUD/CHF (4,50 USD)

Short

  • USD/CAD (1,45 USD)
  • EUR/GBP (0,5 USD)
  • EUR/AUD (5,7 USD)
  • EUR/CAD (2,2 USD)
  • EUR/NZD (6,0 USD)
  • GBP/AUD (6,85 USD)
  • GBP/CAD (1,25 USD)
  • GBP/NZD (6,8 USD)
  • USD/ZAR (8,1 USD)

Viel Spaß bei euren ersten Carrytrades!

Fazit

Das Halten von Übernachtpositionen ist in der Regel kein großes Problem, solange man sich an ein paar Grundregeln hält. Entweder man bewegt sich grundsätzlich auf dem Devisenmarkt und kann hierbei sogar mit Carrytrades noch ein paar USD zusätzlich verdienen. Wenn man auch Indizes oder Rohstoffe über Nacht oder das Wochenende halten möchte, sollte man sein Moneymanagement entsprechend angleichen und die Positionsgröße herunterfahren oder seinen Broker fragen, ob er garantierte Stops anbietet. In unserem Broker-Vergleich ist dies zum Beispiel bei GKFX und WH Selfinvest der Fall.

Video-Tutorial: Übernachtpositionen halten oder nicht?

devisenhandel

Daytrader und Swing Trader

3 Gedanken zu „Positionen über Nacht halten – ja oder nein?

  1. Ein schönes Thema. Immer, wenn ich mir – vor Jahren – Filme über Trader angesehen habe, habe ich mich gefragt: Was passiert eigentlich, wenn die Jungs schlafen gehen?

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