Trading-Gewinne versteuern

Bitte beachten Sie auch unseren aktuellen Artikel zum Thema Abgeltungssteuer: Die Abgeltungssteuer steht vor dem Aus.

Wer erfolgreich an der Börse handelt und sich damit vielleicht sogar seinen Lebensunterhalt finanziert wird früher oder später mit der Frage konfrontiert, ob und wie diese Gewinne aus dem Trading versteuert werden müssen. Dieser Artikel soll etwas Licht ins Dunkel bringen und zur Aufklärung der Sachlage beitragen.

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Als Daytrader ist man von seiner Steuerpflicht nicht befreit. Die Trading-Gewinne müssen mit 25 Prozent Abgeltungssteuer versteuert werden.

Eines jedoch vorweg: Dieser Artikel stellt keine Steuerberatung dar und devisen-handeln.org ist auch nicht dazu befugt, eine konkrete Steuerberatung zu erteilen! Vielmehr sollen die Rahmenbedingungen für eine Besteuerung von Trading-Gewinnen beleuchtet werden. Zu konkreten Fragen im Einzelfall konsultieren Sie bitte Ihren Steuerberater.

Trading-Gewinne sind in Deutschland steuerpflichtig

Zunächst einmal die schlechte Nachricht: Wer seinen Hauptwohnsitz in Deutschland hat, muss auch hierzulande seine Gewinne aus dem Trading versteuern. Andere Länder – andere Sitten, wer aus diesen Gründen seinen Wohnsitz in ein anderes Land verlegt, muss sich mit den örtlichen Gegebenheiten auseinandersetzen und die anfallende Abgeltungssteuer ggf. vor Ort entrichten. Einige Länder besteuern die Trading-Gewinne gar nicht.

Gewerbe oder nicht?

Die Krux an der Sache: Nicht alle Finanzämter sehen die Sachlage gleich und stufen Trader manchmal als Gewerbetreibende ein. Was grundsätzlich auch geschehen muss, sofern man das Geld von anderen Menschen verwaltet ( z. B. als Money Manager). Wer jedoch ausschließlich sein eigenes Geld verwaltet, muss keine Auflagen diverser Regulierungsbehörden erfüllen und betreibt folglich auch kein Gewerbe. Dennoch ist er im Inland abgeltungssteuerpflichtig. Die Abgeltungssteuer ist in Deutschland seit dem 01.01. 2009 in Kraft und betrifft alle Einkünfte aus privaten Kapitalvermögen (z. B. Zinserträge, Erträge aus Anleihen oder Schuldverschreibungen, Dividenden, Erträge aus Investmentfonds oder Termingeschäften etc.). Die Abgeltungssteuer liegt derzeit bei 25 Prozent in Deutschland wie in Österreich plus 5 Prozent Solidaritätszuschlag und wird, sofern der Broker seinen Sitz in Deutschland hat, direkt nach jedem Trade an das Finanzamt abgeführt. Damit ist gleichzeitig die Einkommensteuer bezahlt, die Abgeltungssteuer ist also quasi die Einkommensteuer des Traders. Dabei gilt ein pauschaler Freibetrag von 801 Euro pro Jahr, für Ehepaare das Doppelte. Anfallende Transaktionsgebühren vermindern den steuerpflichtigen Betrag. Die entsprechenden Gebühren entnehmen Sie bitte der Gebührenliste Ihres Brokers. Wer als Steuerausländer sein Konto bei einem deutschen Broker (z. B. Flatex oder ViTrade) hat, bekommt die Abgeltungssteuer nicht automatisch abgezogen und kann sie so reinvestieren. Es wird davon ausgegangen, dass die Person ihre Trading-Gewinne im Wohnsitzland ordnungsgemäß versteuert. Hiervon ausgeschlossen ist der Kapitalertragsteuerabzug, der beim Emittenten vorgenommen wurde (Quellensteuer), wie bei deutschen Dividenden obligatorisch. Andere Länder andere Sitten –  selbst innerhalb Europas ist die Höhe der Abgeltungssteuer teilweise völlig verschieden.

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Ist ein deutscher Broker nicht sicherer und seriöser?

Weit verbreitet in der Trader-Szene ist das Gerücht, dass ein deutscher Broker automatisch sicherer und seriöser ist, als ein Broker mit Sitz im Ausland. Dass dem nicht zwingend so sein muss, wissen wir spätestens seit der spektakulären Pleite der FXdirekt Bank, die sogar von der BaFin reguliert wurde und ihre Kunden mit zweifelhaften Aufrufen zum Kauf von Silber-Kontrakten in den Ruin trieb, bis sie selbst pleite ging. Der Sitz in Deutschland ist also nicht zwangsläufig entscheidend für die Seriosität eines Brokers, wenngleich hier zahlreiche Auflagen erfüllt sein müssen, um ein solches Geschäft betreiben zu dürfen.  Viel entscheidender ist es jedoch, ob die Kundengelder segregiert gelagert werden (getrennt vom Eigenkapital des Brokers) und unter welchen Voraussetzungen der Broker reguliert wird. Dazu gehört auch eine entsprechende Einlagensicherung, auf die der Kunde im Falle einer Insolvenz Anspruch hat. Mit einer FCA- oder BaFin-Regulierung ist man hier dann insoweit auf der sicheren Seite, also durch die Pflicht nach segregierten Konten zur Not die staatliche Einlagensicherung greift, um die Einlage zurückzuerstatten.

Broker im Ausland

Viele Online-Broker haben jedoch ihren Sitz im Ausland, zumeist aus steuerlichen oder aber regulatorischen Gründen. Im Gegensatz zu deutschen Brokern führen sie die Abgeltungs- und Kirchensteuer von Kunden mit Wohnsitz in der BRD nicht automatisch an das Finanzamt ab, sondern dies obliegt dem Trader am Ende des Jahres! Denn selbstverständlich ist man nicht von der Abgeltungssteuer befreit, nur weil man einen ausländischen Broker nutzt. Den zu versteuernden Gewinn einfach hinterziehen zu wollen sollte man sich besser aus dem Kopf schlagen, denn im Rahmen verschiedener OECD-Abkommen klappt die internationale Zusammenarbeit der Finanzbehörden immer besser und die Schlinge für Steuerbetrüger zieht sich immer enger. Es drohen nicht nur hohe Nachzahlungen, sondern auch drakonische Strafen für Steuersünder! Wer steuerlich auf der sicheren Seite sein und seine Gewinne ordnungsgemäß versteuert wissen möchte, sollte sich an einen deutschen Broker wenden, der die Gewinne direkt an das Finanzamt abführt. Dennoch kann es auch vorteilhaft sein, einen Broker mit Sitz im Ausland zu haben und die anfallenden Gewinne erst am Jahresende zu versteuern, da man diese dann kumuliert für die Reinvestition einsetzen kann!

Trading-Gewinne selbst versteuern – die Vorteile

Wer sich nicht scheut, seine Trading-Gewinne selbst zu versteuern hat dadurch einen enormen Vorteil: Der Trading-Gewinn wird nicht gleich nach dem Verkauf geschmälert, sondern kann kumuliert reinvestiert werden, um höhere Positionsgrößen aufzubauen und voll vom Zinseszins-Effekt zu profitieren. Die erforderlichen Dokumente für die Steuererklärung kann man selbst aus dem Metatrader 4 extrahieren:

  1. Loggen Sich sich in den MetaTrader ein.
  2. Im (unteren) Fenster TERMINAL finden Sie diverse Tabs (oder „Reiter“ genannt). Im 2. Tab KONTO HISTORIE sehen Sie Ihre Trades der letzten Tage.
  3. Für einen ausführlichen Bericht klicken Sie in dem Fenster mit der rechten Maustaste und wählen aus den oberen Menüpunkten das für Sie passende aus.
  4. Sie können die Berichte/Reports als html-Version speichern – und dies selbsttätig in andere Versionen kopieren, zum Beispiel zu Excel.

Beispielrechnung: Reinvestment von zu versteuernden Beträgen

  • Einlage: 10.000 EUR
  • Anzahl der Trades: 30
  • Durchschnittliche Performance pro Trade: 5%

Deutscher Broker: Wird bei einer anfänglichen Einlage von 10.000 EUR das gesamte Kapital ständig reinvestiert und dadurch inklusive der Verlusttrades eine durchschnittliche Performance von 5% pro Trade bei 30 Trades erzielt, so beträgt der Kontostand am Ende des Jahres ca. 30.175,- EUR. Es wird eine Abgeltungssteuer von ca. 6.725,- EUR bezahlt. Der Reingewinn beträgt somit ca. 20.175,- EUR.

Broker im Ausland: Wird die gleiche Investitionssumme unter identischen Voraussetzungen bei einem Broker mit Sitz im Ausland investiert, so beträgt der Kontostand am Ende des Jahres ca. 34.915,- EUR. Es wird eine Abgeltungssteuer von ca. 8.305 EUR bezahlt. Der Reingewinn beträgt somit ca. 24.915,-EUR.

Daraus ergibt sich ein Vorteil von ca. 4740,- EUR.

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11 Gedanken zu „Trading-Gewinne versteuern

  1. Ein sehr informativer Artikel. Ich befasse mich erst seit kurzer Zeit mit diesem Thema, daher sind solche Informationen, wie hier, für mich zumindest sehr hilf-und lehrreich.

  2. Hallo,
    der Artikel bringt etwas Klarheit in meine Überlegungen. Weißt du denn auch, wie es sich mit der Krankenversicherung verhält? Angenommen, man lebt nur vom Traden und hat sonst keinen Job und will sich freiwillig bei einer gesetzlichen Kasse wie z.B. AOK versichern. Hast du einen Tipp, wo man Infos herbekommt, welcher Beitragssatz da fällig wird? Das wäre super, wenn du einen Hinweis hättest.

  3. Hallo Christian, guter Einwand. Erkundige dich einfach bei Deiner Versicherung, welcher Beitrag als freiwillig gesetzlich Versicherter dort fällig wird. Du kannst ja vorher verschiedene Angebote einholen. Natürlich kannst du dich als Trader auch bei einer Privaten Versicherung versichern.

  4. Hallo,

    wie sieht denn das aus wenn man bei AYONDO als Top Trader Follower hat und dadurch (quasi als Signalgeber Trades „verkauft“ hat) Einkünfte erzielt hat ?
    Ich muss dann AYONDO eine Rechnung schreiben mit Hinweis das nach § 19 UStG keine Umsatzsteuerpflicht besteht da ich eine Privatperson bin.
    Aber bislang konnte ich noch nicht rausfinden, in welcher Anlage und welcher Zeile das eingetragen werden muss (Einkünfte sind unter € 17.500 p.a.) in der Einkommenssteuererklärung,
    jeder im Netz hat da eine andere Meinung zu und auch ob dafür nun ein Gewerbeschein haben muss oder nicht. Gibt es hier jemanden, der TopTrader bei Ayondo ist und z.B. für 2013 oder länger / vorher schon diese Einkünfte angegeben hat ohne Stress und Diskussionen mit dem Finanzamt hatte ? Die Frage richtet sich ausdrücklich an andere TopTrader bei Ayondo, nicht an „jedermann“.
    Danke.

  5. Gute Frage, die ich so gerne an die Community weitergebe. Mein Tipp: Die Sachlage einmal mit dem Steuerberater und dem zuständigen Finanzamt durchsprechen, um etwaige Probleme und/oder Nachzahlungen zu vermeiden, da die Finanzämter die Frage nach der gewerbsmäßigen Ausübung unter Umständen unterschiedlich bewerten.

  6. Abgeltungssteuer ist für Aktien. Forex versteuert man über die Einkommenssteuer, das kann sehr von vorteil sein wenn man noch nicht so viel verdient. mfg

  7. hallo,
    was muss ich eigentlich versteuern? jeden einzelnen trade? Oder erst die Summe die ich auf mein konto überweise?

  8. Wie gesagt bei einem deutschen Broker wird bereits jeder Trade versteuert und die Steuer ans FA abgeführt. Ansonsten bei einem Auslandsbroker die Gewinnsumme am Jahresende.

  9. Hallo,
    Wie sieht es eigentlich bei einem PAMM Account aus (Broker im Ausland) ?
    Auf welche Erträge (Verluste bzw. Gewinne muss ich mich bei der Steuererklärung beziehen am Ende des Jahres?
    Es gibt das Equity Konto, dass alle P/L beinhaltet oder
    das Balance Konto, dass nur die closed P/L berücksichtigt.
    Das Balance Konto sieht gut aus, allerdings, wenn ich die offenen P/L mit berücksichtige,
    dann bin ich deutlich im Minus.

    Meiner Meinung nach bezieht sich das Equity Konto auf die realen Vermögenswert zu diesem Zeitpunkt oder liege ich da falsch?

  10. und wie versteuer ich das jetzt kann ich das selber ausfüllen gibt es dafür programme oder etc. ohne das ich zum steuerberater muss bitte um tipps danke sehr scheint irgendwie kompliziert zu sein…

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